Der Wilson-Zyklus (nach dem Geophysiker John Tuzo Wilson) beschreibt den plattentektonischen Kreislauf der Erdgeschichte, in dem sich Superkontinente im Laufe von 300 bis 500 Millionen Jahren periodisch spalten, neue Ozeane entstehen lassen und schließlich wieder zu neuen Großkontinenten kollidieren.
Der vollständige Zyklus lässt sich typischerweise in folgende Stadien unterteilen:
- Ruhestadium: Ein stabiler Superkontinent liegt vor. Alte Gebirge werden durch Erosion allmählich abgetragen.
- Grabenbruch-Stadium (Embryonal): Durch Magmenaufstieg wölbt sich die Erdkruste auf und bricht ein. Es entsteht ein Grabenbruch. (Beispiel: Ostafrikanischer Graben).
- Rotes-Meer-Stadium (Jugendlich): Der Grabenbruch weitet sich so weit, dass Meerwasser eindringt und eine schmale See entsteht. Hier bildet sich erstmals neue ozeanische Kruste. (Beispiel: Rotes Meer).
- Atlantik-Stadium (Reif): Der Ozean wächst durch ozeanische Spreizung an einem Mittelozeanischen Rücken stetig weiter. Die Kontinente driften auseinander. (Beispiel: Atlantischer Ozean).
- Pazifik-Stadium (Alt): Der Ozean beginnt zu schrumpfen. Am Rand bildet sich eine Subduktionszone, an der die schwere ozeanische Kruste unter die Kontinentalplatte gedrückt wird und im Erdmantel versinkt. (Beispiel: Pazifischer Ozean).
- Mittelmeer-Stadium (Schrumpfend): Der Ozean verengt sich durch die Subduktion zu einem Restmeer. (Beispiel: Mittelmeer).
- Himalaya-Stadium (Terminal/Kollision): Der Ozean schließt sich vollständig. Da die Kontinentalkrusten zu leicht sind, um zu versinken, kollidieren sie miteinander und falten sich zu riesigen Gebirgen auf. (Beispiel: Himalaja, Alpen).
Der Zyklus beginnt danach im Ruhestadium von Neuem, wobei der neu entstandene Superkontinent wieder aufbricht.
In der untenstehenden Grafik wurde auf die Ruhephase verzichtet:

Anwendung auf die heutige Erde: Der Ostafrikanische Graben gilt als Beispiel für ein frühes Riftstadium, in dem ein Kontinent zu zerbrechen beginnt. Das Rote Meer repräsentiert ein junges Ozeanbecken, in das bereits Meerwasser eingedrungen ist, während der Atlantik mit seinem ausgeprägten Mittelozeanischen Rücken als reifer Ozean im „Atlantik-Stadium“ des Wilson-Zyklus gilt. Der Pazifik befindet sich dagegen in einem Schrumpfungsstadium mit ausgeprägten Subduktionszonen rund um den „Pazifischen Feuerring“, wo Ozeanboden wieder vernichtet wird. Das Mittelmeer ist ein Beispiel für ein spätes Stadium, in dem ein früherer Ozeanraum eingeengt wurde und schließlich durch Kontinent-Kontinent-Kollision (z.B. Afrika–Eurasien) Gebirge wie die Alpen entstanden sind – ein Schritt in Richtung möglicher zukünftiger Superkontinente.
In der folgenden Präsentation kann man den Vollbild-Modus wählen und die Widergabe-Geschwindigkeit anpassen, um den Durchlauf durch den Zyklus der Plattentektonik optimal betrachten zu können:
Quiz zur Plattentektonik:
Zugabe:
Auf YouTube findet man ausführlichere Beschreibungen dieser Vorgänge:
Dieses 3D-Objekt zeigt die Zusammenhänge dreidimensional:
